Projektbeschreibung 2009

Prösitz / Sachsen

Übertönte Idylle

Prösitz ist ein kleiner Ortsteil von Mutzschen, südöstlich von Leipzig. Das Dorf liegt reizvoll in einem Tal. Unmittelbar daneben führt die Autobahn A14 über einen Damm. Das war früher kein Problem, aber seit 1990 nimmt der Verkehr stetig zu. Andauernder Krach ist die Folge. Lärm prägt die Kommunikation. Lärm prägt die Menschen. Lärm prägt Prösitz.

Lärm widerstehen

Schluss mit dem Lärm! Die Bürgerinitiative „Kunst und Natur an der A14“ aus Prösitz und anderen betroffenen Orten gründete 2005 einen interdisziplinären Arbeitskreis, um die Lärmverschmutzung durch die Autobahn zu bekämpfen. Es begann eine Projektreihe mit Aktionen, Skulpturen, Vorträgen, Ausstellungen und Symposien. Vorreiter ist das Künstlergut Prösitz, mit dem zusammen auch das Projekt Klangwarte A14 entwickelt wird.

Klangwarte A14

Labor für themen- und ortsbezogene Projekte

Das Kunstprojekt Klangwarte A14 zeichnet den Lärm der Autobahn A14 in Prösitz auf. Im Internet lassen sich die Geräusche abhören und mit anderen Orten vergleichen. Dafür erfassen die Künstler verschiedene Familien, Situationen und Tageszeiten mit mobilen Aufnahmestationen. Die Bewohner entscheiden, wo die Mikrofone am sinnvollsten installiert werden. Außerdem entsteht in Prösitz ein Galerieraum für Klangkunst.

Technische Umsetzung

Mobile Aufnahmestationen bestehen aus Mikrofon und Computer. Sie werden temporär in ausgewählten Lebensräumen installiert. Basis der Klangwarte A14 ist die Ortschaft Prösitz. Hier beherbergt das Künstlergut ein Labor, in dem alle Aufnahmen erfasst werden. Für das Internet werden die Daten in der Basisstation automatisiert aufbereitet. Die Website dient als öffentlicher Spiegel der Installationen.

Erste Töne

Prototyp Klangwarte A14

Klangwarte A14 greift in die Privatsphäre der untersuchten Haushalte ein. Schließlich zwingt die Aufnahmestation zu einem anderen Umgang mit dem eigenen Lebensraum. Deshalb startet das Projekt Anfang 2009 zunächst mit zwei Stationen in Prösitz, um die Bedürfnisse der Bewohner mit denen des Systems abzugleichen. Nach dieser Probephase wählen die Anwohner andere Haushalte und Ortschaften aus, in denen sie ihre Aufnahmestationen installieren.

ein Projekt von: Patrick Franke
in Kooperation mit: Kunst und Natur an der A14

Konzept und Realisation:
Bert Röhner und Patrick Franke
Programmierung:
Joachim Glasstätter (MaxMSP)
und Marcus Obst (Webinterface)
Text: Rita Kundt
Photos: Sebastian Willnow
Gestaltung: punktsieg. studio für grafik